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1952

Der 1925 in Wittenberg-Lutherstadt geborene Erich Reusch gehört zu jener Generation von Bildhauern, die die Neuorientierung der Plastik in den fünfziger und sechziger Jahren entscheidend vorangetrieben hat.

Anfänglich als Architekt tätig und in dieser Funktion auch maßgeblich an der Idee der Trabantenstadt Meckenheim/Merl beteiligt, entwickelt er schon früh ein neues Konzept plastischen Gestaltens, wie es in anderer Weise auch von seinem Düsseldorfer Akademiekollegen Norbert Kricke verfochten wurde. Denn wie Kricke interessiert sich Reusch weniger für die plastische Form an sich als vielmehr für die Auseinandersetzung mit dem Raum, der mittels skulpturaler Setzungen neu strukturiert, neu definiert wird. Der an sich unbegrenzte, endlose Raum soll in einen konkreten und unverwechselbaren "Ort" verwandelt werden, was natürlich voraussetzt, daß die Skulptur den Absolutheitsanspruch der autonomen Plastik aufgibt, sprich, von ihrem Sockel herabsteigt. Folgerichtig entwirft Reusch schon in den fünfziger Jahren erste sockellose Bodenplastiken, die ähnliche Konzepte amerikanischer Künstler, wie etwa von Carl Andre, um Jahre vorwegnehmen.

Bereits hier zeigt sich Reuschs große Innovationskraft, die ihn zu einer der interessantesten und wandlungsfähigsten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Bildhauerszene gemacht hat. Zwar bleibt der Raum sein zentraler Bezugspunkt, doch nutzt er ständig neue Materialien und Techniken, um ihn zu strukturieren. So schuf er bereits in den fünfziger und sechziger Jahren kinetische und akustische Skulpturen, die in ihrer Multimedialität fraglos wegweisend waren und sicher auch eine internationale Resonanz erfahren hätten, wäre ihre Rezeption nicht von der Resonanz, die Beuys zuteil wurde, verhindert worden.

 

Vorwort Dieter Ronte zum Katalog

"Erich Reusch . Arbeiten 1954 - 1998",

Kunstmuseum Bonn, 1998

 

 

 
     
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